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Schnelles DSL: Wir müssen Druck machen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, den 09. Juni 2010 um 11:03 Uhr

Bad Kötzting. Landratsstellvertreter und Bürgermeister fordern höhere Förderung durch den Freistaat.


(mal) „Laptop und Lederhose", diesen Spruch prägte einmal der ehemalige Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber mit stolzem Blick auf das Hightech-
Bundesland Bayern. Doch will der Bayer mit der Lederhose im Jahr 2010 in ländlichen Regionen ins Internet, dann ist das oft mit erheblichen Wartezeiten verbunden. Denn in einigen Kommunen im Landkreis Cham ist noch nicht einmal die Grundversorgung mit einem Megabit/Sekunde hergestellt.

Diese Grundversorgung sei zunächst das Ziel des Landkreises, beziehungsweise der betroffenen Kommunen, bevor man sich mit dem weiteren Ausbau beschäftige. „Ein flächendeckendes Glasfasernetz im Landkreis ist zwar in den nächsten zwei Jahren noch nicht erforderlich, aber in den nächsten zehn Jahren sollte die Infrastruktur auf diesen
Standard ausgebaut werden", betonte der Landratsstellvertreter Michael Dankerl.

„Up to date" in zehn Jahren
Zusammen mit den Bürgermeistern Wolfgang Ludwig (Bad Kötzting), Josef Dachs (Grafenwiesen), Theo Amberger (Rimbach) und Ludwig Baumgartner (Blaibach) informierte er sich an der Vermittlungsstelle in Bad Kötzting über den derzeitigen Stand in Sachen DSL. „Wir müssen spätestens in zehn Jahren up to date sein, sonst hinken wir hinterher. Und so schnell können wir gar nicht schauen", so Dankerl.

Wie schon Mitte März bei einer Bürgermeisterversammlung angesprochen, stellten sich als Hauptproblem die Förderregularien für den DSL-Ausbau im Freistaat heraus. Förderungen sind demnach auf  100 000 Euro oder 70 Prozent der Kosten gedeckelt. Die restlichen Kosten seien für die Kommunen derzeit nicht zu schultern, machten sowohl Theo Amberger als auch Josef Dachs deutlich. Das Paradoxe an der Situation ist jedoch, dass diese Förderregularien innerhalb eines bundesweiten Rahmenprogrammes
liegen. Dieser Rahmen, genannt GAK (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung Agrarstruktur und Küstenschutz) wurde zum Jahr 2010 dahingehend abgeändert, dass die Deckelung der Förderung auf 500 000 Euro und 90 Prozent angehoben wurde.

Förderung zu gering
Ob sich die jeweiligen Bundesländer diesen Richtlinien anschließen, liegt bei den Länderregierungen selbst. Das Ergebnis: Acht Bundesländer haben diese höheren Förderquoten bereits eingeführt, doch der und beharrt nach wie vor auf der für die Kommunen problematischen Deckelung von 100 000 Euro. Durch die hohen Zahlungen Bayerns beim Länderfinanzausgleich bezahlt also der Freistaat indirekt den DSLAusbau in anderen Bundesländern, obwohl die ländlichen Regionen „daheim" noch vielerorts unterversorgt sind. Das sorge derzeit nicht nur in den Kommunen für Ärger, berichtet Siegfried Schollerer, der momentan 175 Gemeinden in ganz Bayern beim Internetausbau betreut.

Technik möglich, Geld fehlt
 „Technisch wäre alles lösbar", machte Schollerer am Montag deutlich. Der Geschäftsführer der BBN (Breitbandnetwork GmbH), die vom Landkreis den Zuschlag für ein Planungsangebot . zur Breitbanderschließung der Kommunen erhielt, betonte ebenso die Notwendigkeit höherer Förderungen. „Wir könnten sofort in Rimbach diesen Verteilerkasten aufstellen", so Schollerer. „Aber wir müssen die Glasfaserkabeln verlegen, das heißt wir müssen baggern und das kostet nun mal Geld."

Die Teisnacher Firma Amplus AG war bei den Ausschreibungen von 23 Kommunen im Landkreis der günstigste Anbieter und wird dort den Ausbau der Grundversorgung vornehmen. Da der Betrieb weitaus kleiner ist als die Telekom, ist sie auch mit weniger wirtschaftlichem Gewinn zufrieden und daher lohnt sich für Amplus das Engagement beim DSL-Ausbau im ländlichen Raum.

 Mit der bisherigen Übertragungstechnologie der Telekom konnte ein Haushalt einen DSL-Anschluss bismaxi mal fünf Kilometer Kupferkabellänge erhalten. Die Leistung lag dann bei gerade noch 384 Kilobit/ Sekunde. Mit einem neuen Übertragungsverfahren kann nun sowohl die Reichweite des Kabels (auf zehn Kilometer), als auch die Bandbreite erhöht werden. Dazu wurden neben der digitalen Vermittlungsstelle der Telekom (in der Dampfbachstraße in Bad Kötzting) zwei neue Schaltverteiler errichtet, so dass die Firma Amplus das Kupferleitungsnetz der Telekom nutzen kann.

Christof Englmeier, Vorstandsvorsitzender der Amplus AG, stellte den Lokalpolitikern diesen Verteilerkasten in Bad Kötzting vor, der auch die Gemeinden Blaibach, Grafenwiesen und Rimbach mit DSL versorgt — also alle mit gleicher Vorwahlnummer. Kunden der Firma Amplus in Blaibach bekommen nun zumindest eine Bandbreite von
 1 bis 1,4 Megabit pro Sekunde. Das Zentrum von Bad Kötzting ist zwar ohnehin noch von der Telekom mit bis zu 16 Megabit versorgt, doch die neuere Technik von Amplus könnte den Bürgern und Geschäftsleuten bis zu 50 Megabit in unmittelbarer Nähe zum Schaltverteiler ermöglichen. Amplus hat neben Bad Kötzting auch die digitale Vermittlungsstelle in Traitsching ausgebaut. Als nächstes sollen weitere Vermittlungsstellen in Roding, Rettenbach, Neunburg v. Wald, Stamsried, Rettenbach (Markt Falkenstein), Tiefenbach, Dieterskirchen, Wiesenfelden, Cham, Waldmünchen, Furth im Wald, Pemfling und Rötz ausgebaut werden. Einige Kommunen (Weiding, Zandt, Wald, Grafenwiesen, Lohberg, Gleißenberg, Reichenbach) investieren direkt in ein Glasfasernetz.

Politischen Druck aufbauen
Ein vollständig neues Glasfasernetz für den Landkreis würde insgesamt etwa 24 Millionen Euro kosten, so die Berechnung von BBN. Für die Bürgermeister vor Ort ist es angesichts der angespannten Finanzlage ihrer Kommunen undenkbar, diese Investitionen zu schultern, ohne dass ihnen der Freistaat mehr unter die Arme greift. Zum 31. Dezember 2011 läuft das Förderprogramm in Bayern aus und kann danach wieder neu ausgestaltet werden. Bis dahin gilt es also „politischen Druck" aufzubauen, wie Michael Dankerl betonte, damit der ländliche Raum eine Zukunft hat, nicht von den Ballungsräumen abgehängt wird und die Betriebe vor Ort konkurrenzfähig bleiben können.

 

Quelle: Chamer Zeitung
 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 08. August 2010 um 08:44 Uhr